Ein kurioses Video zu einem ernsten Thema mit einem seltsamen Beigeschmack. Es stammt von der israelischen «Green Leaf Party» («Ale Yarok»), derzeit nicht in der Knesset vertreten. Die Partei scheint noch am ehesten dafür bekannt zu sein, Cannabis legalisieren zu wollen, in diesem Video fordern sie auch noch, die Droge für Holocaust-Überlebende zugänglich zu machen. Darin sagt ein junger Mann den Satz: «Es ist unsere moralische Pflicht, ihnen [den 250.000 Holocaust-Überlebenden in Israel] zu ermöglichen, den Rest ihres Lebens in Ehre zu leben.» Später fügt ein deutlich älterer Herr hinzu: «Für uns, die Holocaust-Überlebenden, ist es unsere moralische Pflicht, es [Cannabis] zu legalisieren.» Um den Slogan unter dem Cannabis-Blatt am Ende des Videos oder die Zwischentitel zu entziffern, reichen meine Hebräisch-Kenntnisse leider nicht aus. Ich bin aber auch so schon verwirrt genug.
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Matthias Matussek twittert doch nicht
Es war ein kurzes «Vergnügen» gestern mit dem Herrn Matussek auf Twitter, der mit Sicherheit nicht der Matussek gewesen ist, den einige von den Spiegel-Kulturtipps kennen. Keine 24 Stunden nach dem Erscheinen war schon wieder Feierabend, ein Wimpernschlag in der Twittergeschichte, und so mancher Nutzer freute sich sichtlich ob seines schnellen Endes. In der Twitter-Suche finden sich noch die Überreste seiner Existenz. Und daneben der bezeichnende, inzwischen aber anscheinend auch gelöschte Tweet von einer Nutzerin namens schnutinger: «Der Matussek-Twitter-Account wurde wieder gelöscht. Könnten diese Fake-Spinner mal generell damit aufhören? Das nervt.» Dass wohl nicht der echte Matussek dahintersteckte, hatten aber nicht alle mitgekriegt. Oder sie wollten es nicht wahrhaben. «Gruß an unser Feuilleton: Der Spiegel-Videoblogger Matussek twittert jetzt auch», schrieb NZ-Online und «Matussek» twitterte fröhlich weiter: «Dass Bernd das Brot wieder da ist, war eine echte Erleichterung für uns alle. Darauf gibts jetzt eine Flasche Rotkäppchen im zwölften Stock.» Oder: «Wenn mich hier ohnehin so viele für einen Betrüger halten, kann ich ja auch wieder als @saschalobo twittern.» Warum der Account nur so kurz überlebte? Wir werden es wohl nie erfahren. Und auch, ob man in der Spiegel-Zentrale darüber «amused» war, wohl eher nicht. Doch dass man dort Bescheid wusste, steht fest. Wolfgang Büchner, Chefredakteur von Spiegel-Online, aber wusste gleich, das «sieht sehr nach fake aus. Kann den Kollegen aber im Moment nicht erreichen.»
Relax, Dance, Sing, Enjoy
(Update) Komponist Johannes Kreidler hat den Song zur Finanzkrise komponiert. «Melodien aus Aktienkurven, arrangiert mit der Microsoft Komponiersoftware ‹Songsmith›. Der Billion-Dollar-Song zur Finanzkrise, ein vorfinanzierter Hörsturz.» Ein großartiges Projekt, in Teilen sogar mit recht akzeptablen Melodien. Dass nun ausgerechnet der Chart von Warner Music derart ungenießbar klingt, ist aber mit Sicherheit Zufall. Auch wenn Kreidler nicht ganz zu Unrecht fragt: «Ob die Musikindustrie mich für dieses Sampling verklagen wird?» Doch das Plattenlabel ist nicht alleine, unangenehm wird es auch bei der Kurve zu den Toten GIs im Irak (Zugegebenermaßen keine Aktienkurve), die Melodie von Heckler & Koch reißt das aber allemal wieder raus.
(Update) Scheint, als hätte sich Kreidler gerade bei Heckler & Koch keine Freunde gemacht: «In einer noch zu verifizierenden Mail droht mir ein Anwalt wegen Rufmords an der deutschen Waffenfirma Heckler & Koch, die in den Irakkrieg exportiert und deren steigenden Aktienkurs ich vertont habe.»
Im Schloss (1)
Das wahre Sex and the City
Man könnte sagen, Madelon Vriesendorp sei die Frau von Rem Kolhaas. Sachlich falsch wäre das noch nicht einmal. Doch es würde ihr nicht gerecht werden. In meinen Augen geht sie so kreativ mit Architektur um, wie sonst kaum jemand. Auch nicht ihr Mann. Das Schweizerische Architekturmuseum Basel zeigt derzeit und noch bis zum 22. März die Ausstellung «The World of Madelon Vriesendorp». Auf dessen Homepage findet man auch das Zitat aus dem Blueprint Magazine, dem ich nichts mehr hinzuzufügen hätte: «Die Sexualität der Architektur wird auf unvergleichliche Art heraufbeschworen, das wahre Sex and the City.» Wer einen Einblick in die Ausstellung bekommen möchte, ohne gleich die Reise nach Basel anzutreten, kann den bei Vernissage.TV bekommen, hier gibt es einen kleinen Ausstellungsrundgang und hier noch ein bisschen Geplauder von der Ausstellungseröffnung. Ein Online-Exemplar ihres großartigen Videos von 1980, in dem sich das Empire State und das Chrysler Building kennenlernen und miteinander in die Kiste springen, habe ich aber leider immer noch nicht gefunden.