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Wo ist denn hier der Ausgang?

Seit Monat­en liegt bei mir ein Zettel herum, auf dem ste­ht, dass ich meinen ohne­hin nicht mehr genutzten GMX-Account endlich mal löschen kön­nte. Heute wollte ich das Prob­lem ange­hen. Also bei GMX ein­gel­og­gt, gesucht, gesucht und — nichts gefun­den. Das hat­te ich mir eigentlich leichter vorgestellt. Man sollte meinen, das gehöre zu den Stan­dard­funk­tio­nen. Da fällt mein Blick auf die Hil­fe. Soll ja helfen. Ich gebe «Account löschen» ein und das Sys­tem sagt mir, dazu könne es nichts find­en. Zu «Account stil­l­le­gen» aber: «Selb­stver­ständlich kön­nen Sie einen Account bei GMX jed­erzeit löschen. Jed­er bei GMX reg­istri­erte Anwen­der besitzt ein indi­vidu­elles Menü, in dem er GMX für sich indi­vidu­ell kon­fig­uri­eren und seine Mit­glied­schaft auch wieder been­den kann. Bitte fol­gen Sie unserem Wegweiser.»

»Ich bin ihr wahrgewordener Traum«

Mit Tele­fon­sex wer­den jährlich wohl Mil­liar­den umge­set­zt, doch es ist eines dieser Geschäfte, die von nie­man­dem leben. Nie­mand ruft alle diese Num­mern nachts an, nie­mand spricht mit all diesen Frauen. Und erst recht ken­nt nie­mand sie per­sön­lich. Phillip Toledano hat zumin­d­est einige ken­nen­gel­ernt. Und er hat mit ihnen nicht am Tele­fon gesprochen, son­dern sie besucht, fotografiert, inter­viewt. «Tele­fon­sex ist The­ater», schreibt er in der Ein­führung zu seinem Pro­jekt «Phone Sex». «Er benötigt eine leb­hafte Phan­tasie, schaus­pielerisches Kön­nen und — vor allem — ein tiefes Ver­ständ­nis für die men­schliche Lust.» Alle Beteiligten an seinem Foto­pro­jekt bleiben anonym, doch ihre Aus­sagen sind per­sön­lich, humor­voll, ehrlich. Sie erzählen von Intim­ität, Selb­st­wert­ge­fühl, der Welt da draußen und von Geld. So wie die Frau auf dem Foto:   Da wäre der Typ mit dem kleinen Schoßhund, der sich sich­er ist: «Sie wollen mich». Der sich sich­er ist, dass er in dem, was er tut, ein «Pro» ist, ein Profi eben. Und mit dem sich die Frauen oft tre­f­fen wollen. Oder die 60-Jährige, seit 25 Jahren ver­heiratete Dame, die einen B.A. in …

Marshmallows und Haarausfall

Das ist Nik­ki. Nik­ki Gra­hame. Nik­ki wurde — das erken­nt man an ihrem reizen­den Akzent — nord­west­lich von Lon­don geboren, war vor zwei Jahren bei der britis­chen Aus­gabe von «Big Broth­er» dabei und wurde spätestens mit ihrer eige­nen Fernsehshow «Princess Nic­ci» zur Insel­berühmtheit. Und Nik­ki hat Fra­gen. Zum Beispiel diese: Wer erfind­et eigentlich was und vor allem: warum? Oder diese: Wie kann es eigentlich sein, dass ein Tele­fon funk­tion­iert, eine MMS oder ein Flugzeug? Nik­ki macht sich Gedanken über Erfind­un­gen, und zwar auf der neuen Plat­tform «Wor­dia», die in Zusam­me­nar­beit mit so promi­nen­ten Insti­tu­tio­nen wie Harp­er Collins oder dem Nation­al Lit­er­a­cy Trust ent­standen ist. Über allem ste­ht der etwas prahlerische Slo­gan «We’re redefin­ing the dic­tio­nary». Prahlerisch deshalb, weil Wor­dia eigentlich genau­so funk­tion­iert wie Wikipedia. Das Ganze ist ein Mit­mach­wörter­buch, es wächst durch die Beiträge der Nutzer. Und doch gibt es einen entschei­den­den Unter­schied. Denn Wörter­buch ist nicht gle­ich Wörter­buch. Bei Wor­dia heißt das Prozedere: Dich inter­essiert ein Begriff? Ein bes­timmtes Wort hat eine ganz beson­dere Bedeu­tung für Dich? Schnapp Dir eine Videokam­era, «definiere» den Begriff …

Zimzimzim

Dada, so hat Hans Arp ein­mal gesagt, sei zwar Unsinn, aber noch lange nicht ohne Sinn. Und bis heute lässt sich der Dadais­mus kaum auf »zimz­im urul­lala zimz­im« oder die Protesthal­tung der Beteiligten ein­dampfen. In Zürich nun, mit dem Cabaret Voltaire Geburt­sort der Bewe­gung, feiert mor­gen der kleine Dada Kim Osari­men seinen ersten Geburt­stag, an dem Tag, an welchem der Dadis­mus 90 wird. Und sein Name ist kein Zufall. Die Eltern haben für diese Wahl vom Schweiz­er Kün­stler­duo Com&Com 10.000 Franken erhal­ten. Dafür wird sei­ther das Leben des Jun­gen gefilmt, notiert, ver­mark­tet. Alles aus der Überzeu­gung her­aus, dieses Pro­jekt lasse »gewisse Ideen und Strate­gien der dadais­tis­chen Bewe­gung neu aufleben«. Das ist hoch gegrif­f­en. Um das Ziel zu erre­ichen ist den Mach­ern zumin­d­est kein Ein­fall zu flach, inzwis­chen gibt es »Gugus Dada Song«, es gibt Schnuller und andere Fanar­tikel zu kaufen. Und auf die Frage nach dem Kun­stcharak­ter gibt die Inter­net­seite die lap­i­dare Antwort: »Die bei­den Autoren von Gugus­da­da, Johannes M. Hedinger und Mar­cus Gos­solt von der Kün­st­ler­gruppe Com&Com sind bei­de Konzep­tkün­stler.« Der kleine Dada kann …

Werden Sie Held!

Vor eini­gen Tagen habe ich bei eBay eine dur­chaus bemerkenswerte Auk­tion ent­deckt, sie jedoch für das Werk eines notlei­den­den Ama­teurs gehal­ten. Da wird die Chance ver­steigert, einem noch nicht existieren­den Roman­helden seinen Charak­ter zu lei­hen. O‑Ton: »Ich bin ein deutsch­er Schrift­steller und ver­steigere an den Höch­st­bi­etenden die Rolle in einem Roman. Die Rolle kann Ihren Wün­schen entsprechen und Ihren Namen tra­gen; Sie kön­nen etwas sein, was Sie immer schon sein woll­ten.« Nun gut, die Idee ist nicht schlecht. Außer­dem han­delt es sich inter­es­san­ter­weise zwar tat­säch­lich um einen notlei­den­den Autor, jedoch keineswegs um einen Ama­teur, wie ich gestern aus der FAZ erfahren durfte. Die Idee zu dieser Auk­tion stammt von Alban Niko­lai Herb­st, der eigentlich Alexan­der Michael von Ribben­trop heißt, einem Großn­ef­fen Joachim von Ribben­trops, des deutschen Außen­min­is­ters unter Hitler. Das zumin­d­est erk­lärt die explizite Zusatzbe­merkung »Gestal­tungswün­sche, die gegen beste­hen­des Recht ver­stoßen oder in irgend ein­er Weise nation­al­sozial­is­tis­ches Gedankengut zu trans­portieren helfen, wer­den nicht berück­sichtigt.« Anscheinend, und da wird es inter­es­sant, ist aber noch gar nicht so sich­er, ob der so erfun­dene Roman­held, respek­tive die Heldin …