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Glenmorangie »Quinta Ruban«

Die Geschichte der Whisky-Brennerei von Glenmorangie (»Das Tal der tiefen Ruhe«), die in der kleinen schottischen Stadt Tain liegt, am Rand der nördlichen Highlands, beginnt gleich mit einem Stilbruch. Denn William Matheson, der den Betrieb 1848 in einer alten Brauerei gründet, kauft nicht etwa die typischen, zwiebelförmigen Brennblasen, sondern schlankere Gin-Stills. Das muss man erstmal verdauen. Doch trotz dieses vermeintlichen Fauxpas hat sich das Unternehmen erfolgreich entwickelt (Jahresproduktion 2,5 Millionen Liter), auch, wenn es — wie so viele Destillerien in Schottland — schon lange nicht mehr in Familienbesitz ist. Seit 2004 gehört es zur Krake Gruppe Moët Hennessy Louis Vuitton. Diese Fremdherrschaft ändert aber nichts daran, dass von hier, vom Nordostzipfel der schottischen Küste, immer noch einige der besten Whiskys der Welt kommen. Einer von ihnen macht den Auftakt für die »Schottenmuster«: Der Glenmorangie »Quinta Ruban«. Wie regelmäßig diese Serie erweitert wird, lässt sich schwer voraussagen. Wird wohl darauf ankommen, wie schnell ich trinke, um neuen Whisky kaufen zu können.

Bis 2007 war der Glenmorangie »Quinta Ruban« unter dem geläufigeren Namen »Portwood Finish« zu bekommen, der noch eher auf seine Entstehung schließen ließ. Denn er wird nach den ersten zehn Jahren Lagerung zum Nachreifen erst in Bourbon- und anschließend in Portweinfässer umgefüllt. Keine unbeliebte Methode. »Quinta« heißen in Portugal Bauernhöfe, besonders die Weingüter von Portwein im Douro-Tal werden so genannt. Glenmorangie selbst schreibt sinngemäß über seinen »Quinta Ruban«, er sei ein »samtweich strukturierter Single-Malt-Whisky für selbstsichere, farbenfrohe und dynamische Trinker, die gerne in Luxus schwelgen und die Führung übernehmen«. Die Herausforderung nehme ich an.

Beim Probieren halte ich mich an die drei Stufen zum Glück: Auge in Auge kümmere ich mich um Aussehen und Geruch, dann das erste Glas pur — ohne Wasser, Eis und Schischi (Eis und Schischi wären hier wohl ohnehin mein Todesurteil) — und zum Schluss das zweite Glas mit einem Spritzer Wasser. Warum? Das Wasser öffnet den Whisky, sagt man, einige Aromen treten höflich zurück, andere kommen auf die Bühne. Bei torfigen oder rauchigen Whiskys kann es zudem den Geschmack ein wenig abmildern, für alle, denen etwa ein Islay zu harter Stoff ist.

Außen: »Ruban« ist dieser Whisky eigentlich nicht, so ganz wird er seinem Namen also nicht gerecht. Eher bernsteinrot. Die Nase erschnuppert auf den ersten Metern Vanille, fast schon Milcheis, Pflaumenmus kommt dahinter, er riecht fruchtig und ziemlich leicht, vor allem aber überfordert er mich nicht mit zu vielen Aromen. Vielfältig ja, überladen nein.

Erstes Glas: Der dominierende Geschmack ist auf jeden Fall der Port, der Fassgeruch. Zusammen mit Himbeere, Schokolade, Karamell, Zimt und Honig vermischt sich dieser Grundton tatsächlich zu einem samtweichen Tropfen. Erster Gedanke: »Lecker«. Mit Abgang ist weniger als erwartet, was aber nicht als Kritik gemeint ist. Er hinterlässt Eindruck, vielleicht etwas mehr im Kopf als auf der Zunge.

Zweites Glas: Die Fruchtaromen werden ein wenig deutlicher, Orangenschalen kommen dazu, außerdem ein paar Kräutertöne wie Melisse und Minze. Das könnte aber auch am Melissenduftlämpchen in der Wohnung gelegen haben. Ganz zum Schluss Nüsse — natürlich geröstet. Der »Quinta Ruban« ist ein netter Geselle, umkompliziert, fast schon süß — ein Whisky für jede Gelegenheit. Und das ist ein Kompliment. Ganz gefährlich. Es gibt ja auch Menschen, die meinen, Glenmorangie hätte mit dem »Quinta Ruban« den Vorgänger »Portwood Finish« ruiniert (Der Artikel ist leider offline). Ohne den zu kennen, sage ich nur: Das kann eigentlich nicht sein.

Daten | Destillerie: Glenmorangie | Name: »Quinta Ruban« | Alkohol: 46% | Größe: 0,7 Liter (auch als Literflasche) | Nicht kühl gefiltert | Keine Farbstoffe | Nachgereift in Bourbon- und Portweinfässern | Preis: 40 bis 50 Euro (0,7 l).

Geschmack: 8 von 10 Gläsern
Preis/Leistung: 9 von 10 Gläsern

3 Kommentare

  1. Dann lieg ich ja gar nicht so schlecht mit meinem Sylvester-Getränk. Hab letztes Jahr eine Flasche geschenkt bekommen, weiß nur noch nicht wie ich die Flasche aus der Hülle bekomme. Ein paar Sylvesterknaller sollten das Problem allerdings erledigen.

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