Visionen
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Ich danke der Academy

Auf einem Holzsteg bei Sonnenuntergang steht ein Mensch im Hasenkostüm

Machen wir uns nichts vor, wir haben ihn verpasst, den Moment, in dem uns das Leben in dieses Jahr katapultiert hat, das gestern noch nach Science-Fiction klang — nach Odissey im Weltraum. Es ging alles ziemlich schnell, nur wenige Augenblicke liegen zwischen Reli-Unterricht, Mensa und Altersvorsorge. Gestern noch waren das die Jahre, von denen wir dachten, dass wir sie morgen für die besten unseres Lebens halten. Aber waren sie das? Die besten Jahre unseres Lebens?

Denn machen wir uns nichts vor: Eines Tages, Baby, werden wir alt sein, und dann werden auch wir auf die Straße gehen und unsere Werte verteidigen und auch wir werden Pappen hochhalten gegen das Fremde und das, was uns Angst macht. Denn Angst durften wir unser ganzes Leben nicht haben. Es gibt viel nachzuholen. Gestern noch Mini-Milk, heute Mimimi.

Und dann, eines Tages, Baby, wenn wir mal alt sind und den Preis für unser Lebenswerk bekommen, dann werden wir nicht der Academy danken — sondern unserer Therapeutin und der Autowerkstatt. Es war ein pragmatisches Leben und das soll auch so bleiben. Und wenn wir dann zurückdenken an die wichtigen Dinge, dann wird uns das Sofa einfallen, das wir durch die halbe Stadt getragen haben, nur weil es im Angebot war.

Und dann werden wir merken, dass wir ihn verpasst haben, den Moment, in dem uns das Leben in dieses Jahr katapultiert hat, das heute noch nach Science-Fiction klingt — nach Soylent Green. Es wird alles ziemlich schnell gegangen sein, nur wenige Augenblicke liegen zwischen Autowerkstatt, Kantine und Vorsorgeuntersuchung. Heute noch sind das die Jahre, von denen wir denken, dass wir sie morgen für die besten Jahres unseres Lebens halten. Doch werden sie das sein? Die besten Jahre unseres Lebens?

Aber machen wir uns nichts vor: Heute, in diesem Moment, Baby, mögen wir uns alt fühlen, aber noch haben wir Zeit, Angst zu haben und auf die Straße zu gehen und das Fremde zu umarmen und Eis zu essen. Und wenn wir dann heute Abend — müde, aber zufrieden — auf dem Sofa sitzen, das wir durch die halbe Stadt getragen haben, nur weil es im Angebot war, dann werden wir merken, dass es die besten Jahre nicht gibt, auch wenn sie uns das einreden wollen.

Aber wir, wir werden es besser wissen.

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