Leben
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Fällt das Glas aus meiner Hand

Lieber Frank. Ein Jahr ist es heute her, dass Du gegangen bist. Ein Jahr ohne Dich, das viel zu wenig Zeit zum Nachdenken ließ. Hätte ich nicht gewusst, dass Du für so etwas nichts übrig hast, wäre ich heute in den Dom gegangen, um eine Kerze für Dich anzuzünden. Stattdessen werde ich auf Dich trinken, den besten Whisky, den ich finden kann. Ich habe bis heute nicht wirklich verstanden, wie Du das gemacht hast, dass man sich bei Dir einfach wohl gefühlt hat. Immer. Wir haben uns nicht lange gekannt, und doch war jeder Tag mit Dir, jeder Abend, Zeit in Gesellschaft eines Freundes.

Und auf Facebook guckt einen Dein Foto an, als wäre nichts passiert, Du mit den langen Haaren und dem Vollbart, den Kopf in die Hand gestützt, als hättest Du gestern zu viel getrunken. Nach wie vor schreiben Dir Freunde und Bekannte an die Pinnwand, gratulieren Dir zum Geburtstag, schreiben, dass sie Dich vermissen, wie sehr sie Dich vermissen. Du hast eine Lücke hinterlassen, die sich nicht schließen wird. Du fehlst an allen Ecken und Enden, Dein Humor, Deine selbstverständliche Hilfsbereitschaft, Deine unfassbare Empathie, Deine »300 Prozent Leben statt 8 Stunden Schlaf«, wie es im Nachruf auf Dich so schön heißt.

Bei diesem Lied, »Fällt das Glas aus meiner Hand«, muss ich an Dich denken. »Die Welt, die bleibt nicht stehen«, heißt es da. Wie oft habe ich mir im vergangenen Jahr gewünscht, sie würde es mal tun. Damit man innehalten kann, damit man dankbar sein kann, Dich gekannt zu haben. »It was an accident. Why do they keep trying to find meaning in it?«, zitiert ein anderer Nachruf Stewart O’Nan. Nein, dieser Unfall hatte keinen Sinn, für niemanden. Du fehlst hier, Dude.

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  1. Hi Florian! Ich hoffe, alles läuft gut in Köln. Danke für diese Worte! Ich hatte am Samstag auch überlegt, etwas Ähnliches zu bloggen, aber ich habe mich dann doch entschlossen, das Gedenken lieber privat zu halten. Weil ich immer noch nicht weiß, wie ich das in Worte (also in Sinn) fassen soll. Ich hoffe, wir können bald mal wieder auf Frank anstoßen, gerne auch mit schlechtem Whisky. Hier brennt eine Kerze für ihn.

  2. Ich habe auch darüber nachgedacht, bin aber für mich zu dem Schluss gekommen, dass das hier der richtige Weg ist. Und es hat sich bestätigt, mir hat es gut getan, darüber zu schreiben. Anstoßen sollten wir auf jeden Fall auf ihn, würde mich sehr freuen.

    P.S.: Schön mit der Kerze.

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