Wort & Tat
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»Und dann fauchte der Drache …«

Auch, wenn wir erst 1993 mit Vox den ersten Pri­vat­sender beka­men (wir kon­nten ihn über Antenne emp­fan­gen) und die Jahre vorher mit ARD, ZDF und dem WDR Vor­lieb nehmen mussten, war mein Leben schon früh von Wer­bung geprägt. Vielle­icht sog­ar stärk­er als heute, denn die weni­gen Spots, die etwa zwis­chen den Vor­abend­se­rien aus­ges­trahlt wur­den, bran­nten sich durch die gerin­gere Fre­quenz wohl noch etwas bess­er ins Hirn ein.

Im Nach­hinein kommt es mir fast vor, als seien die 80er-Jahre das gold­ene Jahrzehnt der Fernse­hwer­bung gewe­sen. Heute wird man sich vielle­icht wun­dern und sich fra­gen, wie man solche Wer­bung jemals pro­duzieren kon­nte. Die Tat­sache aber, dass ich, dass ich mich an jeden einzel­nen dieser Spots noch erin­nern kann als sei es gestern gewe­sen (und damit wohl auch nicht alleine bin), zeigt, wie gut sie dann doch waren. Da ich mich noch nicht ein­mal mit mir selb­st auf ein Rank­ing eini­gen kon­nte, habe ich sie ein­fach alpha­betisch geord­net. Übri­gens: Schon damals wur­den anscheinend gefühlte 99 Prozent aller Werbespots von Sky du Mont gesprochen.

Allianz-Versicherung

Gesang zur Melodie von «Über den Wolken», im Orig­i­nal von Rein­hard Mey: «Ital­ien, Urlaub, Son­nen­schein, ich kurvte durch Neapel. Erst kreuz, dann quer, dann mit­ten rein, in den Tomaten­stapel. Wer hat­te Recht? Es gab Tumult. Wer wird den Schaden zahlen? Die Allianz begle­icht die Schuld, lässt alle wieder strahlen. Denn wer sich Allianz ver­sichert, der ist voll und ganz gesichert, der schließt vom ersten Augen­blick ein feste Bünd­nis mit dem Glück. Eine Allianz fürs Leben.» Sprech­er, männlich: «Hof­fentlich Allianz ver­sichert. Allianz Auto-Versicherungen.»

Asbach Uralt

Sprech­er, männlich. Nein, das ist nicht die ganze Wahrheit. Richtig müsste es heißen: Sprech­er, sehr, sehr männlich: «Es war ein­er dieser schö­nen Abende, die man nicht ver­gisst. Die Musik, die Kün­stler, die Insze­nierung. Augen­blicke, an die man sich gern erin­nert. Wenn einem also Gutes wieder­fährt, das ist schon einen Asbach Uralt wert. Im Asbach Uralt ist der Geist des Weines.»

Bonduelle

Fröh­lich­er Kinderge­sang zum «Radet­zky-Marsch» von Johann Strauß, dazu läuft ein Trick­film: «Ja, der Mais, der Mais, der Mais marschiert. Der Mais, der Mais, der demon­stri­ert. Ganz famos, sen­sa­tionell, leck­er, leck­er, Bon­du­elle. Ja, der Mais, der Mais, der Mais kommt an. Der Mais, der Mais schmeckt Jed­er­mann. Ganz famos, sen­sa­tionell, leck­er, leck­er, Bon­du­elle. Ja! Bon­du­elle ist das famose Zart­gemüse aus der Dose.» Irgend­wie habe ich aber das Gefühl, es gab noch einen anderen Bon­du­elle-Spot, der wesentlich bekan­nter war. Nur, gefun­den habe ich ihn nicht.

Caro Landkaffee

Volk­er Lecht­en­brink, Schaus­piel­er, Syn­chron­sprech­er, Regis­seur, Inten­dant, Tex­ter und Schlager­sänger, singt zur Gitarre die Abwand­lung seines Hits «Ich mag»: «Ich mag das Schöne dieser Welt, ich mag den Wind im Roggen­feld. Ich mag es, wenn der Tag erwacht und die Sonne dazu lacht. Ich mag Plaud­ern am Nach­mit­tag, Obstkuchen mit Schlag. Ich mag die Lichter mein­er Stadt, disku­tier’n bis in die Nacht. Lass mich von deinem Duft ver­führ’n, deine Wärme spür’n. Caro — ich mag dich … du bist ein­fach gut!»

Gilette

Der Slo­gan von Gilette, «Für das Beste im Mann», war ein­er der ersten, die ich auch auf Franzö­sisch gel­ernt habe. Weiß der Geier warum. Sprech­er, männlich: «Von Gilette: Sen­sor. Der Rasier­er, der die Fein­heit­en ihres Gesicht­es erken­nen kann.» Gesang: «Für das Be-heste im Ma-ha-hann!» Sprech­er: «Sen­sor-Klin­gen auf sen­si­blen Fed­ern tas­ten ihre Haut per­ma­nent ab und passen sich indi­vidu­ell an. Gründlich­er, sicher­er, san­fter und beque­mer. Gilette Sen­sor. Mit dem anspruchsvollen Gilette-Gel für den Mann die beste Rasur von Gilette.» Gesang: «Gilette. Für das Be-heste im Ma-ha-hann!»

Mariacron

Schon die zweite Alko­hol­wer­bung, die mir aus mein­er Kind­heit in Erin­nerung geblieben ist. Was war da los? Sprech­er, min­destens eben­so männlich wie der aus der Asbach-Uralt-Wer­bung, dieses Mal allerd­ings zu roman­tis­ch­er Klavier- und Orch­ester­musik: «Wenn der Tag zur Ruhe kommt. Wein­brand Mari­acron.» Nach ein­er Pause: «Wein­brand Mari­acron. Voll­mundig im Geschmack.»

Merci

Schlager­sound, zum größten Teil zusam­mengeschnit­ten aus dem Refrain von Ste­fan Ober­hoffs «Mer­ci», ver­mis­cht mit anrühren­den Film­schnipseln, ergibt: die orig­i­nale Mer­ci-Wer­bung: «Du bist der hell­ste Punkt an meinem Hor­i­zont, du bist der Far­ben­klecks in meinem Grau-in-Grau, du bist in mein­er Win­terzeit der Son­nen­strahl, Mer­ci, dass es dich gibt! Du bist das Ret­tungs­boot auf meinem Ozean, du bist der Wirbel­sturm in meinem Wasser­glas, du bist das Hän­schen­klein in meinem Kinder­lied, Mer­ci, dass es dich gibt! Du bist die Wasser­flut für meinen Wüsten­sand, du bist der Fels, der in mein­er Bran­dung ste­ht, du bist in meinem Lieblingslied die Melodie, Mer­ci, dass es dich gibt!«

Obstgarten

Die mit dem Loch im Büro­fuß­bo­den. Sprech­er, männlich: «Viele Dinge, die wir essen, sind etwas schw­er. Ger­vais Obst­garten ist lock­er­le­icht und schmeckt jet­zt noch bess­er. Der neue Obst­garten von Ger­vais. Reine Genusssache.»

Rama

Kommt ganz ohne Text aus. Lebt nur von der unglaublichen Sit­u­a­tion­skomik und dem gesun­genen Slo­gan am Ende: «Rama — Es lebe das Frühstück!»

Storck Riesen

Sprecherin, weib­lich, zu Mund­har­monika­musik: «Wie kön­nte ich den kleinen Michael vergessen? Der kam ja jede Woche! Und jedes Mal sagte er mit leuch­t­en­den Augen: ‹Stor­ck Riesen bitte, Frau Lange!› Einen Stor­ck Riesen musste ich ihm immer sofort geben, die andern in die Tüte pack­en. Jet­zt gibt es Stor­ck Schoko­laden-Riesen. Mit viel kräftiger Schoko­lade. Ein­fach riesig schoko­ladig! So richtig was für Michael.» Und genau der Michael, nur ein paar Jahrzehnte älter, kommt in den Laden und sagt: «Stor­ck Schoko­laden-Riesen bitte, Frau Lange!» Sprecherin: «Und den Allerersten, den isst er immer noch sofort. Stor­ck Schoko­laden-Riesen. Wirk­lich riesig schokoladig.»

Ültje

Muss man da was sagen? «Kaum steh’ ich hier und singe, kom­men sie von nah und fern und fan­gen an zu knab­bern, sie ha’m halt Ült­je gern. Sie sin­gen und sie tanzen, sie lachen und sie schrei’n und wollen noch mehr Ült­je, die leck­’ren Knab­bere­in. Komm auch du, greif zu, komm auch du, greif zu!»

Wick Hustenbonbons (Leider ohne Video)

Ein typ­is­ch­er Vater-Sohn-Dia­log der 80er-Jahre. Sohn: «Und dann fauchte der Drache den Mann an und …» Hust … Hust … «Der Junge nahm den …» Hust … Vater: «Sag mal, wie wär’s mit einem Wick-Hus­ten­bon­bon? He?» Sohn: Oh ja!» Vater: «Wild­kirsch, Zitrone oder Ananas?» Sohn: «Ananas!» Vater: «Hier.» Sohn: «Und dann hat er …» Vater: «Tut gut im Hals, hm?» Sohn: Mh-mh!» Vater: «Mh!» Sohn: «Und dann fauchte der Drache … Mmhh, schmeckt das ananas­sig!» Vater: «Fauchte der Drache?!» Sohn: «Nee, der hat­te doch kein Wick-Bon­bon!» Vater: «A‑ha-ha-ha!» Sprech­er, männlich: «Wick Hus­ten­bon­bons: Wirken und schmeck­en.» Lei­der finde ich diesen Spot auf YouTube nicht mehr. Bes­timmt irgen­deine drama­tisch Urheberrechtsverletzung.

Mit ziem­lich­er Sicher­heit habe ich noch ein­mal so viele Spots, wie hier erwäh­nt, vergessen, die nicht weniger großar­tig waren. Doch auch bei YouTube find­et sich nicht alles. Der Beck­’s-Spot etwa, mit Hans Hartz’ Gesang, fehlt eben­so wie das deutsche Orig­i­nal des Fer­net-Bran­ca-Spots (Schon wieder Alko­hol) oder das Elf-Uhr-Loch von Nutella.

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11 Comments

  1. baltasar says

    Hil­fe, viel zu viel Wer­bung! Für mich war und ist der Bon­du­elle-Spot der größte aller Zeiten!

    Auf gehts ihr Maiskolben!!!

    Obwohl ich den Ült­jesong heute auch noch gern singe ;)

  2. Hey, sor­ry für Offtopic. Wie hast Du das mit den Lin­ien gemacht? Sieht nice aus :)

  3. Das ist eine ganz ein­fache Hin­ter­grund­grafik in Höhe der Zeilen­höhe, die hin­ter dem Bere­ich liegt, in dem Text steht.

  4. OK, das bedeutet, Du hast die Zeilen­höhe abso­lut (bzw. mit Px) angegeben?
    Schöne Grüße nach Leipzsch, da werd ich Sylvester feiern :D

  5. Miriam says

    Ja, der Mais ist ganz groß und wird jet­zt solange in meinem Gehör­gang marschieren, bis er von einem Wei­h­nacht­slied abgelöst wird.
    Danke für die Rückblende.
    ;)

  6. Sieht auch mit Zoom gut aus… wenn man nicht ger­ade den IE aus dem Müll holt!
    Und klar, ist ja auch meine Stadt!! ;D

  7. Hi,

    wenn schon OT, mache ich da weit­er: Die Lin­ien unterm Text stören aber sehr beim Lesen… (vielle­icht auch nur einen 40something).

  8. baltasar says

    Find die Lin­ien sog­ar richtig cool. Sieht halt aus wie in einem alten Schul­heft, genial.

  9. Da muss ich mich wohl zwis­chen die Stüh­le wer­fen. ;-) Ich mag ja meine Lin­ien. Und das mit dem Schul­heft trifft schon ganz gut das, wonach es ausse­hen sollte.

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