Alle Artikel mit dem Schlagwort: Bildung

Danke

Im Alter von 14 Jahren bekam ich — ein Kind des Bildungsbürger_innentums — ein 20-bändiges Lexikon geschenkt, wie so viele andere Kinder, die ich kannte. Bis vor wenigen Jahren stand es in meinem Regal, benutzt aber habe ich es offen gestanden nur selten. Und wahrscheinlich ist das auch ganz gut so, denn sonst wäre mir, wenn der Zufall mitgespielt hätte, auf Seite 261 von Band 5 (Eit-Fle) vielleicht eines Tages dieser Eintrag aufgefallen: Nun muss ich dazu sagen, dass für mich (gesellschafts)politische Fragen, bis ich 18 war, kaum Bedeutung gehabt haben. Die Rollenverteilung in meiner Familie und meinem näheren Umfeld war bis auf wenige Ausnahmen patriarchalisch geprägt, Feminismus, Gleichberechtigung, Diskriminierung, Rassismus und viele andere für mich heute wichtige Begriffe kamen in meiner Welt lange Jahre nicht vor. Hätte ich damals also auf Seite 261 von Band 5 diese »Feminismus«-Definition gelesen — sie hätte mich wohl abgeschreckt und in allem bestärkt, was bis dahin mein Weltbild ausmachte.

Tauschgeschäfte

Ich werde doch noch weggehen. Nach 27 Jahren in Bonn — vom Kindergarten bis zum Magister — zieht es mich nach Osten. Leipzig lockt in Form eines Volontariats bei der Leipziger Volkszeitung, ein lang gehegter Wunsch geht in Erfüllung, der jedoch auch seinen Preis hat. Ich werde Abschied nehmen von lieb gewonnenen Orten, Menschen und Gewohnheiten und mich in eine neue Stadt mit neuen Menschen einleben. Es ist wie auf dem Basar und Trotzendorff macht seine Tauschgeschäfte: Dafür werde ich mir bald eine schöne Altbauwohnung leisten können, der Leipziger Wohnungsmarkt gibt so einiges her. Wenn übrigens jemand was an der Hand hat, ich bin für Tipps immer dankbar. Genauso suche ich noch einen guten Bioladen in Leipzig, von mir aus auch einen Biosupermarkt. Bevorzugte Einkaufs-, Wohn- und Freizeitgegend: Südvorstadt. Eine schöne Joggingstrecke zwischen 8 und 12 Kilometern wäre auch toll, gerne am Wasser lang, ein wenig schattig und kühl. Ansonsten bin ich wunschlos glücklich, am 1. August geht’s los. Bemühen wir in diesen Stunden noch einmal Trude Herr, die das alles so vortrefflich in Worte …

Generation Praktikum

Im schlimmsten Fall bedeutet ein Praktikum heutzutage Zeitverschwendung, im besten Fall hält es einige Wochen oder Monate bereit, die auf das Berufsleben vorbereiten können. Immer aber bedeutet es Arbeit und nur in den seltensten Fällen lässt sich diese Zeit ohne finanzielles Polster überstehen. Denn ein Gehalt wird selten gezahlt, oft noch nicht einmal ein Fahrtkosten- oder Wohnungszuschuss. Am Ende bleibt nur ein Zeugnis und dessen Wert ist in einigen Fällen gleich Null. Seit Wochen wird in den Medien, allen voran den Feuilletons der großen Tageszeitungen einer gewissen »Generation Praktikum« der Rücken gestärkt. Doch alles Diskutieren und Kritisieren wird das Problem kaum kleiner machen. Das hat sich auch eine engagierte Dame namens Désirée Grebel gedacht und gehandelt. Sie hat im Deutschen Bundestag eine Petition eingereicht, die folgende Forderung enthält: Diese Petition kann unterzeichnet werden und das noch bis zum 14. Juni — Online unter dem folgenden Link (inzwischen offline). Bis zu diesem Zeitpunkt haben das schon über 12.000 25.000 Menschen getan. Anscheinend haben die und Frau Grebel wenigstens begriffen, dass Reden an manchen Punkten einfach nicht …

15 halbe Jahre

So lange hat es gedauert, bis ich von der Brust meiner Alma Mater entwöhnt zu sein scheine. Seit exakt 45:00 Stunden liegt meine Magisterarbeit nun in der Philosophischen Fakultät, um gründlich unter die Lupe genommen zu werden. Und es sollte keine sieben Monate mehr dauern, dann werde ich vorerst zum letzten Mal durch ihre Räume schreiten. Aber so gibt es wenigstens Hoffnung, dass demnächst wieder etwas mehr Zeit bleiben wird, sich den Belangen meiner Leserschaft zu widmen und Luft zu schnappen für den Endspurt. Sum ut fiam.