Monate: Mai 2006

Heine? Handke? Nein, danke.

Wo genau liegt nun der eigentliche Skandal? Ist es Peter Handke, der eine Grabrede für den serbischen Präsidenten Slobodan Milošević gehalten hat? Oder ist es die Tatsache, dass die Stadt Düsseldorf ihm für sein literarisches Werk den Heinrich-Heine Preis 2006 verleihen wollte? Einen Preis, der den Bestimmungen nach Persönlichkeiten verliehen wird, »die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte des Menschen, für die sich Heinrich Heine eingesetzt hat, den sozialen und politischen Fortschritt fördern, der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten.« Nein, weit gefehlt, der tatsächliche Skandal kommt erst noch. Gestern nämlich haben sich die Fraktionen von SPD, FDP und den Grünen des Düsseldorfer Stadtrats darauf verständigt, diese Preisverleihung zu verhindern und das Preisgeld von 50.000 Euro nicht zur Verfügung zu stellen. Nun könnte man meinen, es sei das gute Recht der Stadt, selbst zu entscheiden, für wen sie ihr Geld ausgibt. Ganz so einfach stellt sich die Sache aber nicht dar. Die Entscheidung für Handke obliegt nämlich einer Jury (und nicht politischen Fraktionen) und geht folgendermaßen vonstatten: So …

The L word

Das war sie nun also, die lang erwartete Folge 1 der amerikanischen Serie »The L Word«. Zugegeben, den deutschen, nach dümmlichem Boulevard klingenden Untertitel »Wenn Frauen Frauen lieben« hätte man sich auch schenken können, der amerikanische Slogan »Same Sex, different City« ist jedoch keinen Deut besser. Und was das Wichtigste ist — die Serie überzeugt. Zunächst einmal der Plot in Kurzform: Das alles könnte ziemlich schnell in Klischees abdriften — wenn es denn welche gäbe. »The L Word« macht aber zunächst einmal klar, wie wenig Platz Lesben in unserer Vorstellung von Alltag überhaupt haben, von Szenen in Pornofilmen und Abziehbildchen wie Hella von Sinnen einmal abgesehen. Hier aber findet man durchwegs erstklassige Schauspieler, die in witzigen und überraschend emotionalen Dialogen schlüssige Geschichten erzählen. Und dem Vorwurf, die dargestellten Charaktere seien allesamt zu hübsch, zu erfolgreich und denen der Serie »Sex and the City« zu ähnlich, ist Autorin und Produzentin Ilene Chaiken mit dem Vorschlag, sich die Lesbenszene in L.A. doch einmal anzusehen, bereits rechtzeitig entgegengetreten — was nicht nötig gewesen wäre. Denn während sich die …

Schwarm, der

Was haben Sie denn bitteschön getan, bevor Sie auf diese Seite gekommen sind? Und Sie meinen wirklich, das müsste jeder mitkriegen können? Ja, ich weiß, wir sind alle nur Teil des Schwarms, der auf der Suche nach Sinn und Unsinn das Internet durchstreift. Aber sich dabei beobachten lassen? Es gibt, dafür genügen einige Sekunden auf der Seite, übrigens nicht umsonst einen kleinen Button, mit dem sich »Adult«-Content ein- und ausschalten lässt. Umso erstaunlicher, dass alle Teilnehmer dieses Projekts — trotz jahrelanger Diskussionen über das überwachte Netz, die Google & Co. ausgelöst haben — Freiwillige sind. Internet-Exhibitionisten sozusagen, die sich mithilfe eines kleinen Plugins für den Firefox-Browser bei jedem Schritt verfolgen lassen, wobei angeblich keine privaten Informationen gesammelt werden. Und der Sinn des Schwarms? Der liegt laut Angabe des Betreibers im Folgenden: Na sicher.

Kuttner adé

Es passiert nicht oft, dass ich so etwas tue. Und ich verspreche, es wird so schnell nicht wieder vorkommen. Aber heute muss es sein. Kuttner, die Show geht nach diesem Sommer bei MTV vom Netz. Soweit so gut, und auch Frau Kuttner scheint das eher gelassen zu sehen. Doch muss an dieser Stelle ein Aufruf erfolgen an all die Fernsehsender, die Madame K. noch nicht im Proramm haben, mit einigen Ausnahmen vielleicht. Gibt es nicht irgendwo einen cleveren, zukunftsliebenden Chefredakteur, der für die einzig intelligente, charmante (um nicht zu sagen hübsche) und nicht vollkommen maulfaule Talkmasterin im deutschen Fernsehen (oder hat irgendwer in letzter Zeit Charlotte Roche auf dem Bildschirm gesehen?) eine Sendung zurechtschnibbeln lassen kann? Muss ja nicht zusammen mit ihrem Kompanion sein, sowas wie Schmidt für Studenten und solche, die es bleiben wollen täte es ja. Nein wirklich. Sarah Kuttner aus dem Programm zu nehmen (wegen der Quote! Ha!) ist nicht in Ordnung. Und hier gibt es natürlich keinen Aufschrei. Nur eine kleine Meldung vom Spiegel. Frau Merkel schweigt. Alle anderen auch. Und …

Rock!

Heute abend wird im Bonner Haus der Geschichte mal wieder eine lohnenswerte Ausstellung eröffnet. Der programmatische Titel: »Rock! Jugend und Musik in Deutschland«. Das könnte eine platte, stereotype Veranstaltung sein — ist es aber nicht. 1.200 Exponate aus 50 Jahren Musikgeschichte, von Elvis und den unvermeidlichen Nervensägen Stones über Fehlfarben(die im August zusammen mit den H-Blockx auch auf ein Gastspiel kommen) bis hin zuTokio Hotel. Oder, auf der anderen Seite des Vorhangs von City über die Klaus Renft Combobis hin zu den Puhdys. Ein wenig seltsam zwar, dass zwischendrin auch Hip Hop oder dieLove Parade behandelt werden, aber gut; Neues entsteht aus Altem, soweit kann man das Konzept nachvollziehen. Und auch über die Trennung zwischen echtem Rock und anderen Stilen könnte man trefflich streiten. Ob das aber Sinn macht? Spannend sind einfach die kleinen Geschichten, die in der Ausstellung erzählt werden. Zum Beispiel die von dem Brief, den Elvis via Bravo an seine deutschen Fans geschrieben hat. Oder die von dem BAP-Konzert in der DDR, das eines Songs wegen wieder abgesagt werden musste. Oder die …