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Podcast-Tipps: 10 Empfehlungen, die aus der Masse hervorstechen

Podcast-Tipps: 10 Empfehlungen, die aus der Masse hervorstechen

Tag für Tag zur Arbeit zu pen­deln — in meinem Fall von Köln nach Düs­sel­dorf — hat nicht ger­ade viele Vorteile. Ein­er aber ist, dass ich mir dadurch die Zeit nehme, regelmäßig Pod­casts zu hören. Mehr zumin­d­est als es son­st wohl der Fall wäre. Genug ist es trotz­dem nie, es gibt ein­fach zu viele gute Pro­duk­tio­nen da draußen, und es wer­den immer mehr. Ein Grund, sich gar nicht erst mit diesem The­ma zu beschäfti­gen, ist das natür­lich nicht. Und so habe ich mal gesam­melt, was ich gerne höre, welche Pod­casts mir Ver­spä­tun­gen, über­füllte Abteile, Armlehnen-Besetzer*innen und Deo-Ignorant*innen und sog­ar den täglichen Halt in Lev­erkusen versüßen.

Allison Behringer: »The Intern«

Cover des Podcasts »The Intern« von Allison BehringerIch habe mich entsch­ieden, vorne anz­u­fan­gen. Mit dem Pod­cast, der sozusagen meine Ein­stiegs­droge war. Und der bis jet­zt eine der besten Audio­pro­duk­tio­nen ist, die ich gehört habe. Dass Alli­son Behringers »The Intern« so gut ist, hat dabei mehrere Gründe. Zum einen hat Alli­son eine echte Geschichte zu erzählen, die von ihrem Ein­stieg in die Arbeitswelt han­delt, von ihren ersten Schrit­ten in New York — und davon, wie US-amerikanis­che, männlich dominierte Medi­en-Star­tups tick­en. Darüber hin­aus aber begleit­en wir sie in den acht Fol­gen auch bei ihrem Pro­jekt, einem Pod­cast. »The Intern« ist dadurch so etwas wie ein Meta-Pod­cast, und den hat Alli­son Behringer nicht nur ver­dammt gut pro­duziert, sie hat ihn auch voll­gepackt mit Emo­tio­nen, clev­eren Schnit­ten und ihrer ein­nehmenden Per­sön­lichkeit. »She’s a nat­ur­al sto­ry­teller«, schrieb ein*e Rezensent*in auf iTunes über Alli­son. Punkt.

Mark Rosewater: »Drive to Work«

Cover des Podcasts »Drive to Work« von Mark RosewaterDass Men­schen Pod­casts auf dem Weg zur Arbeit hören, dürfte nicht sel­ten vorkom­men. Doch dass Men­schen Pod­casts auf dem Weg zur Arbeit pro­duzieren, ist sicher­lich die Aus­nahme. Mark Rose­wa­ter aber nutzt regelmäßig die etwa halb­stündi­ge Fahrt in sein Büro in Ren­ton — und kann dabei zum Glück auch nicht anders, als über seine Arbeit zu sprechen. Seit 1995 arbeit­et er für »Wiz­ards of the Coast«, der Fir­ma hin­ter »Mag­ic — the Gath­er­ing«, und seit 2003 ist er Chefde­sign­er des offiziell kom­plex­esten Spiels der Welt. In »Dri­ve to Work« nutzt Rose­wa­ter dabei sein immenses Wis­sen, um Hin­ter­gründe zu Regeln zu erläutern, über das Design des Spiels zu philoso­phieren, neue Karten oder Edi­tio­nen vorzustellen oder über die oft irrwitzi­gen Abgründe sein­er Arbeit zu sprechen. Zugegeben: ein auf den ersten Blick nis­chiger Pod­cast — doch bei mehr als 20 Mil­lio­nen Magic-Spieler*innen weltweit rel­a­tiviert sich das schnell wieder.

Nina »Fiva« Sonnenberg: »Reden ist Geld«

Cover des Podcasts »Reden ist Geld« von Nina »Fiva« SonnenbergEine der besten jour­nal­is­tis­chen Serien in Deutsch­land ist die Rei­he »Reden wir über Geld« der Süd­deutschen Zeitung. Doch Schule gemacht hat sie nicht, noch immer wird hierzu­lande viel zu wenig ehrlich und aus­führlich über Gehäl­ter, Reich­tum und Armut, Bedürfnisse und die Bedeu­tung von Geld gesprochen. Das Online-Radio und Pod­cast-Label detektor.fm hat sich vorgenom­men, das zu ändern — und pro­duziert mit der Musik­erin und Mod­er­a­torin Nina »Fiva« Son­nen­berg den Pod­cast »Reden ist Geld«. In Folge 1 hat­te Fiva den Musiker*innen-Kollegen Lot­to King Karl zu Besuch — und einen besseren Gast zum Ein­stieg hätte es wohl kaum geben kön­nen. In weit­eren Episo­den will Fiva mit Kaufhaus-Erpress­er Dagob­ert, dem Kun­st­fälsch­er-Ehep­aar Bel­trac­chi und andern Men­schen sprechen, in deren Leben Geld eine beson­dere Rolle spielt. »Kön­nen wir nicht alle von mehr Offen­heit beim The­ma Geld prof­i­tieren?«, fragt der Sender auf sein­er Seite. Nach dem ersten Ein­druck kann die Antwort nur ein lautes Ja! sein.

Michael »Curse« Kurth: »Meditation, Coaching & Life«

Cover des Podcasts »Meditation, Coaching & Life« von Michael »Curse« KurthVon Fiva zu Curse ist es nicht weit, bei­de machen deutschsprachi­gen Hip-Hop — und an dieser Stelle kom­men die US-amerikanis­che Hip-Hop-Gruppe »A Tribe Called Quest« und ihr Album »Beats, Rhymes and Life« ins Spiel. Von dessen Namen näm­lich hat Michael »Curse« Kurth den Namen seines Pod­casts abgeleit­et: »Med­i­ta­tion, Coach­ing & Life«. Curse, der nicht nur Musik­er ist, son­dern auch Bud­dhist und sys­temis­ch­er Coach, und der sich seit eini­gen Jahren inten­siv mit Med­i­ta­tion beschäftigt, spricht darin über Dinge, die ihn bewe­gen und sein Leben bere­ichert haben — mit dem Wun­sch, daß sie »auch euch Inspi­ra­tion und Mehrw­ert brin­gen!« Das tun sie, und zwar vor allem deshalb, weil Curse sich seinen The­men zwar emo­tion­al und men­schlich, aber nie eso­ter­isch nähert. Weil er Ratschläge und Tipps gibt, ohne von sich zu behaupten, er habe für alles Lösun­gen parat — und als seien ern­sthafte Prob­leme leicht und durch ein klein wenig Acht­samkeit zu lösen. Ein boden­ständi­ger, warmherziger Pod­cast, auf den sich einzu­lassen lohnt.

Tijen Onaran: »How to Hack«

Cover des Podcasts »How to Hack« von Tijen OnaranNoch eine Über­leitung, die nicht schw­er fällt: Gle­ich hin­ter den Ratschlä­gen und Tipps von Curse biegen wir scharf ab und lan­den — etwas busi­ness­lastiger, aber nicht weniger nutzw­er­tig — bei Tijen Onaran und ihrem Busi­ness-Punk-Pod­cast »How to Hack«. Gesprächspartner*innen und Tippgeber*innen »für den per­sön­lichen Erfolg im Arbeit­sleben«, so Tijens Selb­st­beschrei­bung, sind bekan­nte Gründer*innen, Macher*innen und Kreative. Sie sprechen mit der Unternehmerin und Mod­er­a­torin über Kar­riere und Pro­duk­tiv­ität, über Mor­gen­rou­ti­nen und Work-Life-Bal­ance, über Net­zw­erken und Entschei­dungs­find­ung. »Und das Beste daran ist«, so ver­spricht Tijen im Open­er jed­er Episode, »dass es nicht nur ein­fach­es Bla-Bla gibt, son­dern hand­feste Learn­ings«. In den meis­ten Fällen kann sie dieses Ver­sprechen ein­hal­ten. Die Ein­blicke in den Arbeit­sall­t­ag von Men­schen wie Lin­da Zer­vakis, Pia Frey, Sascha Pal­len­berg, Mar­cus John Hen­ry Brown oder Mag­dale­na Rogl sind sel­ten banal und noch sel­tener stereo­typ. Und an vie­len Ein­stel­lun­gen zum The­ma Kar­riere und Arbeit kön­nen sich Hörer*innen dazu noch pri­ma reiben — ger­ade bei Reizthe­men wie Work-Life-Bal­ance oder Pro­duk­tiv­ität. Eine gute halbe Stunde, die sich lohnt.

Christoph Amend und Jochen Wegner: »Alles gesagt?«

Cover des Podcasts »Alles gesagt?« von Christoph Amend und Jochen WegnerEs gehört schon eine ganze Menge dazu, dabei zu bleiben, wenn Zeit-Mag­a­zin-Chefredak­teur Christoph Amend und Zeit-Online-Chefredak­teur Jochen Weg­n­er sich knapp drei Stun­den mit dem Grü­nen-Poli­tik­er Robert Habeck unter­hal­ten. Oder fast vier Stun­den mit der Kun­st­samm­lerin Julia Stoschek. Oder knapp drei Stun­den mit Sternekoch Tim Raue. Das klingt wie die Quentin-Taran­ti­no-Ver­sion eines Pod­casts — nur ohne Stunts und Gemet­zel. Wären da nicht die Stunts, die Amend und Weg­n­er eigen­händig in ihren Pod­cast »Alles gesagt?« ein­bauen. Wie zum Beispiel die Regel, dass jedes Gespräch genau so lange dauert, bis es der Inter­view­gast been­det. Oder das ein oder andere Glas Wein, dass die bei­den mit ihren Gesprächspartner*innen trinken. Und eigentlich gehen die selb­st dur­chaus auch als Stunt durch, denn Gäste, die Amend und Weg­n­er lang­weilig find­en, wer­den ein­fach nicht ein­ge­laden. Und so entste­hen Gespräche voller Witz und Tief­gang und so etwas wie der Lon­gread der deutschsprachi­gen Pod­cast-Szene. Passt vielle­icht nicht in eine reg­uläre Fahrt zu Arbeit, lässt sich aber auch pri­ma in mehreren Etappe hören.

Eva Schulz: »Deutschland 3000«

Cover des Podcasts »Deutschland 3000« von Eva SchulzUnd noch eine logis­che Abzwei­gung. Denn von den bei­den Zeit-Jour­nal­is­ten Amend und Weg­n­er zu Eva Schulz führt eben­falls nur eine kurze gedankliche Straße. Eva gehört, und mit dieser Mei­n­ung bin ich nicht alleine, ganz sich­er zu den besten Journalist*innen Deutsch­lands — ins­beson­dere wenn es um Audio und Video geht. Ihre Art, sich The­men auf per­sön­liche Art zu näh­ern, ohne sich mit ihnen gemein zu machen, ihre Bere­itschaft, auch unan­genehme oder unbe­queme Fra­gen anzus­prechen und ihre Fähigkeit, eine gen­er­a­tio­nenüber­greifende Sprache zu sprechen, die sich nie­man­dem anbiedert, aber auch nie­mand auss­chließt — all das sind Alle­in­stel­lungsmerk­male. Und die kann sie mit dem Deutsch­land-3000-Pod­cast voll ausspie­len, wenn sie jew­eils eine gute Stunde mit Protagonist*innen wie Felix Jaehn, Kevin Küh­n­ert, Col­lien Ulmen-Fer­nan­des, Fynn Klie­mann oder Lena Mey­er-Lan­drut ver­brin­gen darf. Diese Mis­chung zeigt schon: Abwech­slungsre­ich geht es in Deutsch­land 3000 auf jeden Fall zu. 

Bianca Hauda: »Bestatten, Hauda«

Cover des Podcasts »Bestatten, Hauda« von Bianca Hauda»Kein Pod­cast über Sex, kein Pod­cast über Acht­samkeit, kein Pod­cast über Ernährung, über Sport, kein­er über Poli­tik oder über Musik, es ist kein Pod­cast über Reise, kein Pod­cast über Sci­ence-Fic­tion, und es ist auch kein­er mit promi­nen­ten Men­schen.« Mit »Reden ist Geld« haben wir schon eines von vie­len Tabuthe­men unser­er Zeit berührt — mit Bian­ca Hau­da nehmen wir jet­zt ein noch größeres in den Blick: den Tod. In »Bestat­ten, Hau­da«, einem Pod­cast, dessen Titel mir schon Respekt abver­langt, spricht sie mit Men­schen, für die das Ster­ben zum All­t­ag gehört. Und das tut die Radio-Mod­er­a­torin, deren Sendun­gen übri­gens eben­falls zum Pflicht­pro­gramm für Audio­phile gehören, mit ein­er benei­denswerten Mis­chung aus Respekt und Respek­t­losigkeit, aus Witz und Wertschätzung. Und damit gelingt ihr ein Tabubruch der etwas anderen Art — der dazu führt, dass sich viele wün­schen dürften, sie würde häu­figer eine Folge pro­duzieren. Und häu­figer über das Ster­ben sprechen. So macht das … irgend­wie Spaß.

Johannes Burr und Simone Hennemann: »Mindsnack«

Cover des Podcasts »Mindsnack« von Johannes Burr und Simone HennemannKom­men wir zum Finale noch zu zwei »beru­flichen« Pod­casts — Pro­duk­tio­nen also, die mir für den All­t­ag im Büro Inspi­ra­tion und Input liefern. Johannes Burr und Simone Hen­ne­mann tun genau das bis zu zwei Mal im Monat mit ihrem »Mind­snack«, dem »Learn­ing-Pod­cast« von Axel Springer. Dabei ist das Konzept eigentlich sim­pel: Die Moderator*innen laden sich Gäste aus dem Weit­er­bil­dung­spro­gramm des Medi­enkonz­erns ein, die dann Insights zu The­men wie Lead­er­ship, Per­sön­lichkeit­sen­twick­lung oder Change-Man­age­ment geben. Meist recht hand­fest und all­t­agsnah gelingt Johannes Burr und Simone Hen­ne­mann damit den­noch ein bemerkenswert­er Spa­gat — zwis­chen einem Cor­po­rate Pod­cast, der natür­lich das eigene Unternehmen in ein möglichst pos­i­tives Licht rück­en und damit auch Employ­er-Brand­ing-Auf­gaben übernehmen soll, und einem For­mat, dass den Hörer*innen, ähn­lich wie bei Tijen Onaran, »hand­feste Learn­ings« ver­mit­teln soll. Übung gelungen.

Eva Marie Strauch: »Female Leadership«

Cover des Podcasts »Female Leadership« von Vera Marie StrauchÄhn­lich konkret, aber mit anderem Fokus, pro­duziert Eva Marie Strauch ihren Pod­cast. »Als Man­agerin habe ich über zehn Jahre in der Baubranche gear­beit­et und mich in der Prax­is inten­siv damit beschäftigt, was es bedeutet, Führungsver­ant­wor­tung zu tra­gen und in Per­sona für Verän­derung zu ste­hen«, schreibt sie über sich selb­st. »Als eine der ersten Frauen in der Branche wurde ich mit unter 30 Jahren Geschäfts­führerin eines mit­tel­ständis­chen Bauzulief­er­ers.« Eine Aus­nah­mekar­riere, in der sie viel gel­ernt hat — und jet­zt möglichst vieles weit­ergeben möchte. Und so hangelt sie sich von Folge zu Folge an The­men wie Net­work­ing, Sinn, Selb­st­be­wusst­sein, New Work oder Emo­tio­nen ent­lang. Immer mit Fokus auf »Female Lead­er­ship«, aber ganz sich­er nicht nur für Hörerin­nen. Im Gegen­teil habe ich das Gefühl, dass von ihrem Blick auf die Arbeitswelt ger­ade männliche Mitar­beit­er und Führungskräfte prof­i­tieren kön­nen. Denn Rol­len­bilder zu hin­ter­fra­gen, ist ganz sich­er keine auss­chließlich weib­liche Aufgabe.

Und jet­zt seid ihr dran. Denn ja, es gibt da draußen eigentlich schon viel zu viele Pod­casts und wir alle kom­men nicht mehr wirk­lich hin­ter­her mit dem Hören. Aber das heißt auch: Jet­zt ist es eh egal. Also her mit euren Tipps in den Kommentaren!

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