Wort & Tat
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The L word

Das war sie nun also, die lang erwartete Folge 1 der amerikanischen Serie »The L Word«. Zugegeben, den deutschen, nach dümmlichem Boulevard klingenden Untertitel »Wenn Frauen Frauen lieben« hätte man sich auch schenken können, der amerikanische Slogan »Same Sex, different City« ist jedoch keinen Deut besser. Und was das Wichtigste ist — die Serie überzeugt. Zunächst einmal der Plot in Kurzform:

Da wäre zunächst einmal die junge Autorin Jenny (Mia Kirshner), die — gerade erst mit der Uni fertig, zu ihrem Freund Tim (Eric Mabius) nach Kalifornien zieht. Schnell entdeckt sie, dass nebenan die Lesben Bette (Jennifer Beals) und Tina (Laurel Holloman) wohnen, die verzweifelt auf der Suche nach einem geeigneten Samenspender für ein gemeinsames Kind sind. Auf einer Party lernt Jenny dann auch noch Marina (Karina Lombard) kennen, die sie ohne viel Gerede gleich einmal auf die Probe stellt — im Badezimmer. Noch glaubt Jenny jedoch daran, ihren Freund zu lieben und hetero zu sein. Außerdem wären da noch Dana (Erin Daniels), erfolgreiche Tennisspielerin und Werbeikone, die ihr Outing aus Marketinggründen aufschiebt, Alice (Leisha Hailey), bisexuelle Redakteurin eines Musikmagazins und Kit (Pam Grier), Bettes ältere Schwester. Die (inzwischen trockene Alkoholikerin) ist hetero und ständig auf der Suche nach einem geregelten Leben. Und schließlich Shane (Katherine Moenning), die durchgeknallte Hairstylistin, die alles will, nur keine Beziehung. Dafür aber hat sie bereits eine ganze Reihe One-night-stands und gebrochene Herzen gesammelt.

Das alles könnte ziemlich schnell in Klischees abdriften — wenn es denn welche gäbe. »The L Word« macht aber zunächst einmal klar, wie wenig Platz Lesben in unserer Vorstellung von Alltag überhaupt haben, von Szenen in Pornofilmen und Abziehbildchen wie Hella von Sinnen einmal abgesehen.

Hier aber findet man durchwegs erstklassige Schauspieler, die in witzigen und überraschend emotionalen Dialogen schlüssige Geschichten erzählen. Und dem Vorwurf, die dargestellten Charaktere seien allesamt zu hübsch, zu erfolgreich und denen der Serie »Sex and the City« zu ähnlich, ist Autorin und Produzentin Ilene Chaiken mit dem Vorschlag, sich die Lesbenszene in L.A. doch einmal anzusehen, bereits rechtzeitig entgegengetreten — was nicht nötig gewesen wäre. Denn während sich die Dialoge von »SatC« mehr oder weniger in jeder Folge gleichen und auch die Charaktere kaum Entwicklungen zeigen, soll das im Falle von »The L Word« anders sein. Hoffentlich, denn andernfalls hätte es die Serie recht bald geschaft, auf einem Feld Klischees zu entwickeln, auf dem es bisher nur wenige gegeben hat.

Aber vor allem diejenigen, die sich knisternde Erotik versprochen haben, werden nun enttäuscht sein. Kaum Nacktes, schon gar nichts Provokatives ist da zu sehen. Ein, zwei Szenen im Bett, immer überhalb der Gürtellinie gedreht, das war’s. Andernfalls wäre die Serie jedoch auch flott abgedriftet. Schließlich gibt es, und das wird bereits in einem der ersten Dialoge deutlich, zwischen einer lesbischen Beziehung und der eines heterosexuellen Paares nicht annähernd so viele Unterschiede, wie allgemein angenommen wird. Und das gilt auch für den Sex.
Freuen wir uns also auf nächsten Dienstag, 22:15 Uhr, wenn der zweite Pilot mit dem Titel »Auf der Suche nach einem Samenspender« läuft. Ausblick gefällig?

»Jenny und Marina kommen sich Schritt für Schritt näher, was Jenny einerseits sehr spannend findet — andererseits hat sie aber auch ein schlechtes Gewissen gegenüber Tim. Bette meint, einen geeigneten Spender für ihr gemeinsames Baby mit Tina gefunden zu haben. Sie organisiert eine Verabredung zwischen Tina und Marcus. Tina ist irritiert, weil sie nicht wusste, dass Marcus ein Schwarzer ist. Daraufhin kommt es zum Streit mit Bette …«

(Der Text ist dem Episodenguide von Pro7 entnommen.)