Visionen
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Lass uns bleiben

Ausblick aus einem fahrenden Auto auf einer Autobahn im Winter

Schon wieder weit weg in Gedanken, unter Bäu­men, am Wass­er, den Duft von frisch gemähtem Gras in der Nase. Schon wieder unter­wegs im Kopf, auf der Auto­bahn Rich­tung Süden, das Radio laut und Kaf­fee in der Hand. Schon wieder an der näch­sten Kreuzung, die Kapuze tief im Gesicht und die Hände in den Taschen. Dabei müssten wir endlich mal bleiben.

Hin­ter Ham­burg, Berlin oder Köln, da kommt näm­lich gar nicht das Meer. Da kom­men bloß Pin­neberg, Wan­dlitz und Kall. Und unser »Way home«, der führt nicht über Schot­ter­pis­ten und an gras­grü­nen Ufern ent­lang. Unser home ist nicht, where the heart ist, es ist da, wo es nach Weich­spüler riecht und nach Toast­brot schmeckt.

»Wir allein sind dafür ver­ant­wortlich, das Glück zu find­en. Die Hölle, das sind wir.«
Mareike Nieberd­ing: »Wie wir ler­nen, uns die richti­gen Ziele zu setzen«

Unter dem Dach ste­hen sie noch, unsere Kar­tons. Als seien wir bere­it, jed­erzeit wieder aufzubrechen, uns aufzu­machen zur näch­sten Zwis­chen­sta­tion. Aber das sind wir nicht. Vielle­icht wollen wir gar kein Por­ridge-Café in Port­land auf­machen, vielle­icht wollen wir gar kein Meer an Möglichkeit­en und keinen Mut haben. Vielle­icht wollen wir ein­fach nur hier bleiben, bei uns, nicht mehr abbiegen müssen und keine Taschen mehr packen.

Wenn man zu lange unter­wegs ist, fan­gen sie an zu blenden, die Schein­wer­fer. Durch die schneev­er­schmierten Scheiben blick­en wir in rast­lose Gesichter, die uns ent­ge­gen kom­men, um Augen­blicke später wieder im Dunkeln zu ver­schwinden. Da hin­ten am Hor­i­zont kön­nen wir die Schlote und Barack­en erah­nen, dahin­ter irgend­wo schmiegt sich der Fluß an unsere Stadt, die für ein paar Stun­den ver­sucht, Ruhe zu find­en. Man muss irgend­wo begin­nen und Wurzeln haben, und der Boden des Rhein­lands ist tief.

Warum also richt­en wir uns hier nicht ein? Lass uns entrüm­peln und durch­fe­gen, nen­nen wir es halt Zuhause, sollen die anderen doch sagen, was sie wollen. Sollen sie sin­gen vom Unter­wegs­sein und erzählen von der Welt. Wo wir die Füße hochle­gen kön­nen und über die Däch­er guck­en, da wollen wir sein. Wollen wir?

2 Comments

  1. Stefanie says

    »Wir allein sind dafür ver­ant­wortlich, das Glück zu find­en. Die Hölle, das sind wir.«

    Genau so in mein Ter­minkalen­der geschrieben.

  2. Stefanie says

    »Wir allein sind dafür ver­ant­wortlich, das Glück zu find­en. Die Hölle, das sind wir.«

    So wahr!!!!!!!!!!!1

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