Alle Artikel mit dem Schlagwort: Ausstellung

Was macht die Schrift auf der Schachtel?

Bis vor wenigen Minuten wusste ich noch nicht einmal, dass es so etwas wie die Leipziger Typotage überhaupt gibt. Doch nicht nur das Programm unter dem Titel »Typografie und Verpackung — Was macht die Schrift auf der Schachtel?« klingt spannend (Zitat Fontwerk: »Vortragende sind keine der üblichen typografischen Verdächtigen, […] was allerdings nicht minder interessant werden dürfte.«), auch die Ausstellung mit Karikaturen von Honoré Daumier, die gleichzeitig im Museum für Druckkunst eröffnet wird, ist sicherlich ein großes Vergnügen. Womit ich übrigens das Fontwerk auch noch dringend als Leseempfehlung ans Herz legen möchte. Via @farbwolke & Fontwerk

Das wahre Sex and the City

Man könnte sagen, Madelon Vriesendorp sei die Frau von Rem Kolhaas. Sachlich falsch wäre das noch nicht einmal. Doch es würde ihr nicht gerecht werden. In meinen Augen geht sie so kreativ mit Architektur um, wie sonst kaum jemand. Auch nicht ihr Mann. Das Schweizerische Architekturmuseum Basel zeigt derzeit und noch bis zum 22. März die Ausstellung »The World of Madelon Vriesendorp«. Auf dessen Homepage findet man auch das Zitat aus dem Blueprint Magazine, dem ich nichts mehr hinzuzufügen hätte: »Die Sexualität der Architektur wird auf unvergleichliche Art heraufbeschworen, das wahre Sex and the City.« Wer einen Einblick in die Ausstellung bekommen möchte, ohne gleich die Reise nach Basel anzutreten, kann den bei Vernissage.TV bekommen, hier gibt es einen kleinen Ausstellungsrundgang und hier noch ein bisschen Geplauder von der Ausstellungseröffnung. Ein Online-Exemplar ihres großartigen Videos von 1980, in dem sich das Empire State und das Chrysler Building kennenlernen und miteinander in die Kiste springen, habe ich aber leider immer noch nicht gefunden.

No Milchschaum today

Wer glaubt, die Jugend lauere da draußen auf den Straßen, Kaugummi kauend und auf den Gehsteig rotzend, der irrt. Und überhaupt, die Jugend lauert nicht, sie »faulenzt« auch nicht oder »gammelt rum«. Wie lange es wohl her ist, dass ich diese Worte irgendwo gehört habe? Schöne Worte, aber vom Aussterben bedroht, seit irgendwer das »Prokrastinieren« zum Trend ausgerufen hat. Schon seit mehreren Jahren scheinen sich zwei Künstler damit auseinanderzusetzen, ohne vielleicht je davon gehört zu haben: Markus Muntean und Adi Rosenblum. Noch bis zum 1. Februar widmet ihnen die Sammlung Essl in Klosterneuburg bei Wien die Ausstellung »Between what was and what might be« mit teils eigens für diesen Anlass entstandenen Gemälden sowie den Filmen »Shround« und »Run«, zweiterer eine Weltpremiere. Eine Ausstellung auch über die Jugend.

Call for entries

Nur noch bis übermorgen (6. Oktober) lädt das Bonner Videofestival Videonale 11 KünstlerInnen ein, sich mit einer Videoarbeit aus den letzten drei Jahren für den offenen Wettbewerb zu bewerben. Die von einer internationalen Fachjury ausgewählten Arbeiten werden vom 15. März bis zum 15. April 2007 im Kunstmuseum Bonn in einer vierwöchigen Ausstellung präsentiert. Bei der Eröffnung (14. März 2007) wird der Gewinner des Videonale-Preises bekanntgegeben. Ziel des renommierten Videokunstfestivals ist es, aktuellste Positionen von Videokunst in einer vierwöchigen Ausstellung zu zeigen. Das Rahmenprogramm behandelt in unterschiedlichen Schwerpunkten theoretische und praktische Fragestellungen zum Thema Videokunst. In Workshops, Experten-Vorträgen und aus künstlerischer Sicht werden die Besonderheiten von Video als künstlerisches Medium in Bezug zu anderen Medien der bildenden Kunst thematisiert. Schwerpunkt der Workshops sind Fragen des Copyrights und der Restaurierung, sowie deren Auswirkungen auf Ausstellungsorte und Sammlungen. Anknüpfend an die letzte Videonale wird die Frage der adäquaten Präsentation von Videokunst in klassischen musealen Räumen gestellt und eine mögliche Antwort in der aktuellen Präsentation der Videonale 11 verwirklicht. Die gut 20-jährige Geschichte der Videonale begann 1984 im Bonner …

(Tat)Orte

Obwohl in den Medien tagtäglich über Katastrophen, Verbrechen und andere Scheußlichkeiten berichtet wird, bekommen Zuschauer und Leser davon selten wirklich etwas zu sehen. Gezeigt werden meist die Bilder nach dem eigentlichen Geschehen, die Tatorte, wenn bereits das Schlimmste vorbei ist. Das ist gut so und für die Einhaltung gewisser Grenzen sorgt — zumindest in unserem Land — neben der Ethik auch einer moralischer Presse-Codex. So ist es für die Redakteure der meisten Medien beispielsweise selbstverständlich, keine Leichen oder Leichteile zu zeigen. Dabei wäre das Angebot an drastischem Material durchaus vorhanden. Das beweist jetzt auch eine Ausstellung mit dem schlichten Titel »(Tat)Orte« im NRW-Forum in Düsseldorf. Es sind Fotografien verschiedener Reporter, darunter von Legenden wie Weegee, Arnold Odermatt, Enrique Metinides oder aus dem LA Police Archive. Sie zeigen genau das, was normalerweise im Archiv verschwindet. Leichen, Rettungsarbeiten, grausame Szenen. Dabei stellt sich die Frage, ob in dem Moment, in dem diese Bilder zu vermeintlicher Kunst erklärt werden, die sonst geltenden ethischen Grenzen verletzt werden dürfen und ob Fotografien einzig aufgrund ihrer handwerklichen Qualität und einem öffentlichkeitswirksamen …